Fleisch oder nicht Fleisch ... (Kommentar)

Über Diskussionskultur

Es ist ein Thema, bei dem oft die Fetzen fliegen und das mich sehr beschäftigt: Wenn Fleischesser und Veganer aufeinandertreffen, ist es oft nicht weit her mit einer sachlichen Diskussion.

Gerade hat ein Bekannter mit provokanten Äußerungen im Internet eine wahre Hasstirade losgetreten: Er kritisiert, dass viele Veganer Moralkeulen schwingen, nur um Fleischesser als Mörder zu diffamieren. Es gehe „denen“ eher darum, Menschen anzufeinden, als wirklich etwas für das Tierwohl zu tun. Das ist nicht sehr sympathisch, aber ich gebe zu, viele der Reaktionen scheinen genau das beweisen zu wollen.

Dabei ist es gar nicht so schwer für die beiden Parteien, eine gemeinsame Basis zu finden. Bis zur ethischen Bewertung, ob es vertretbar ist, Tiere zu töten, um sie zu essen. Jeder sollte sich die Frage einmal stellen. Aber hier kommen die beiden Parteien wohl niemals zusammen. Dennoch behaupte ich: Keiner hat Spaß daran, Tiere leiden zu sehen. Keiner möchte etwas zu sich nehmen, das mit Medikamenten verseucht ist. Keiner möchte, dass sich durch industrielle Tiermast Seuchen auf die Menschheit übertragen. Und lässt man es bleiben, Fleischesser pauschal zu beleidigen, stellt man fest, dass viele den Weg, den Veganer mit vernünftigen Argumenten pflastern, weit mitgehen können. Sie tun es sogar meist ohne viel Widerstand. Doch es gehört auch viel Disziplin dazu, ein erkanntes und für sich gesetztes Prinzip konsequent zu leben. Da ist es für viele vielleicht einfacher, die Diskussion auszublenden.

RZ Linz, Neuwied vom Freitag, 9. November 2012, Seite 17