Tun oder nicht tun ... (Kolumne)

"Tun oder nicht tun" ist das neue "Sein oder nicht sein" - und eine viel wichtigere Frage... (Das tolle Foto stammt von Fotocommunitynutzerin und Fotografin Silvia Gottlieb).Über Eigenarten und Glückstricks

Es gibt Dinge, die muss man tun. Aber auch solche, die man nicht tun muss. Die Mutter eines Freundes zum Beispiel meidet schon seit Jahren bestimmte Straßenzüge, auch wenn es kürzer wäre, dort entlangzufahren. Sie findet sie hässlich, also fährt sie nicht durch. Meine erste Reaktion auf das Prinzip war ein Kopfschütteln. Aber dann fragte ich mich: Warum sollte sie durchfahren, wenn es ihr nicht gefällt?

Nach dieser Erkenntnis befand ich, dass auch ich bestimmte Dinge einfach nicht mehr tun muss. Dazu gehört zum Beispiel, dass ich morgens nicht von Hand spüle. Da wird mir schlecht. Die Bettdecke darf außerdem nie mit den Knöpfen am Kopfende des Bettes liegen. Das ist einfach nicht richtig. Und ich stelle den Staubsauger nicht wieder in die Abstellkammer – ich hasse den Bewegungsablauf.

Zum Glück haben mein Freund und ich einen Deal: Saugen ist mein Job, dafür räumt er das blöde Ding mit dem unkontrollierbaren Wabbelschlauch, der immer alles aus den Regalen reißt, und der Düse, die sich immer überall verhakt, wenn man das Gerät in die Kammer quetscht, immer weg. Oder Kartenmischen: Kann ich, mag ich aber nicht. Mein Frust bei etwaigen Mischfehlern mit Kartensalat steht in keinem Verhältnis. Und die Punkte, die ich beim Kartenspielen erziele, mag ich auch nicht zählen. Wieso auch? Ich hasse das Zählen. Und ob ich gewinne, oder nicht, ist mir meist egal. Wer meine Punkte notieren will, muss sie selbst zählen.

Jetzt zu den Dingen, die man auf jeden Fall tun muss: sein Glück selbst schnitzen. Dazu verrate ich Tricks, die bei mir immer funktionieren. Immer. Dazu gehört zum Beispiel, fliegende Löwenzahnsamen oder Fusseln aus der Luft zu fangen, sich etwas zu wünschen, während man sie in der Faust hält, um sie danach wunschbeladen wieder gen Himmel zu pusten. Alternativ geht das auch mit Wimpern, die andere auf dem eigenen Gesicht finden. Mit Fliegen geht es allerdings nur, wenn man dran glaubt.

Außerdem sollte unbedingt, wer zufällig auf eine Digitaluhr schaut, eine Schnapszahl anzeigt (11.11 Uhr, 22.22 Uhr, 3.33 Uhr und so weiter), so viele Male auf das Display klopfen, wie der Wert der Zahl ist – dann wird es garantiert ein guter Tag. Aber nicht schummeln: Man darf nicht abwarten, bis die Uhr umspringt. Man muss die Schnapszahlen zufällig erwischen.

Auch Damendrehungen bringen unter Umständen Glück: Wenn sie immer dann vollführt werden, wenn die Sonne einen an einem eigentlich grauen Tagen ganz unerwartet ins Scheinwerferlicht stellt. Wieso man dran glauben sollte, dass diese Dinge Glück bringen, fragen Sie? Aber wieso denn nicht?

Westerwälder Zeitung vom Freitag, 2. und 3. November 2012, Seite 19