Wenn beim Parken der Italiener in mir raus kommt (Kolumne)

Über Parksünden

Wenn ich sehe, wie manche Leute parken, werde ich innerlich zum Italiener. Wissen Sie, was ich meine? Nein? Dann erkläre ich das mal.

Warum manche Menschen vor und hinter ihrem Auto mindestens 1,50 Meter Platz benötigen, erschließt sich mir nicht. Stehen drei solche hintereinander, hat Nummer vier das Nachsehen – dabei hätte er locker noch in die zusammengezählten Pufferzonen reingepasst.

Und was hat das jetzt mit den Italienern zu tun? Naja, im Urlaub in Süditalien offenbarte sich mir die Strategie gegen allzu großzügige Platzkalkulationen beim Parken – wenn sich einer das da erlaubt, kennen die Italiener keine Gnade: Langsam zwängen sie ihr Heck in die viel zu kleine Lücke und – Zack – ein klitzekleiner Bumms auf die Stoßstange des Parknachbars, und 20 Zentimeter sind gewonnen. Ein kleiner Schubs nach vorn ergibt wieder 20 Zentimeter und so weiter: Was nicht passt, wird eben passend gemacht.

Genüsslich gebe ich mich dieser Fantasie beim Anblick der mir verhassten Parksünder hin, verzichte aber auf die Verwirklichung: Mein Toyota Aygo bringt einfach nicht genug Gewicht auf die Waage. Außerdem ist seine Stoßstange aus Plastik – das federt zurück, sodass mein Gefährt wahrscheinlich wieder aus der Lücke katapultiert würde.

Und was soll eigentlich der Unsinn mancher Hersteller, Stoßstangen mit zu lackieren? Ich habe einen Traum: Echte Hartgummistoßstangen um jedes Auto – bis dahin nehme ich Abstand von meinen italienischen Parkfantasien und begnüge mich damit, dass mein Auto zum Glück recht kurz ist – den Aygo kriege ich (fast) überall rein.

Westerwälder Zeitung vom Montag, 22. Oktober 2012, Seite 9