(Alb-)Traum 3.0 (Service-Kolumne)

Blick in die Zukunft

Montag, 22. Januar 2066, 8.13 Uhr steht auf der Anzeige meiner iUhr, auf die ich nervös blicke, während ich durch die Hologrammschranke der U-Bahn eile.

In diesem Moment weiß mein Chef nämlich, dass ich spät dran bin. Denn die heute weitverbreitete iUhr ist, wie in den 2010er-Jahren schon ihre Vorgänger, die Smartphones, technisch fähig, den Standort ihres Benutzers jederzeit preiszugeben. Verflucht seist du, Holoschranke! Seit die kommunalen Haushalte zusammengebrochen sind, verkaufen die Stadtwerke diese Daten an jeden mit dem nötigen Kleingeld – und das haben mein Chef genauso wie Verbrecherbanden, die vielleicht in wenigen Minuten mein Haus ausräumen, weil sie eben auch in dieser Minute wissen, dass ich nicht da bin – sondern eben in der U-Bahn.

Angefangen hat es in den 2010er-Jahren mit Geotagging-Diensten wie „Foursquare“. Damit konnte man mit einem Klick oder sogar automatisiert live rausposaunen, wo man gerade einkauft, Kaffee trinkt oder wen man besucht. Und wir haben es auch noch gern gemacht! Das war, bevor man noch nicht aus Sicherheitsgründen – Terrorgefahr, Sie verstehen – bei Ausweisausstellung dem Geotagging zustimmen musste. Dass es früher schon Einbrecher gab, die das Netz durchforsteten, um Häuser auszumachen, deren Besitzer gerade nicht zu Hause sind, hätte uns warnen müssen. Aber wenigstens mussten die Einbrecher damals noch ein bisschen recherchieren.

Rhein-Zeitung vom Donnerstag, 12. Juli 2012, Seite 14