In Neuwied gibt's ganz besondere Steine (Kindernachricht)

Kindernachricht Vulkanausbruch vor 12 900 Jahren hilft auch beim Zähneputzen

Kreis Neuwied. Ihr kennt sicher den Laacher See, oder? Stellt euch mal vor, das Wasser wäre weg und stattdessen dort ein Vulkan, der bis zu 800 Grad heiße Lava spuckt. Das war vor 12 900 Jahren so. Damals gab es noch keine Menschen hier. Trotzdem ist der Vulkanausbruch ein Grund dafür, wie wir heute hier leben. Die Lava flog nämlich durch die Luft und wurde im ganzen Neuwieder Becken verteilt. Dann kühlte sie ab und wurde zu Stein – und zwar zu einem ganz besonderen: zu Bimsstein. Und mit dem verdienen die Neuwieder heute noch Geld.

Dass man mit Bimsstein Häuser bauen kann, könnt ihr euch denken. Aber man kann ihn nicht einfach so benutzen. Dass man ihn mit Kalk mischen muss, entdeckte der Bauinspektor Ferdinand Nebel erst so um das Jahr 1850, also vor etwa 160 Jahren. Danach ging es aber richtig los: Im Raum Urmitz/Weißenthurm probierten die Arbeiter das erste Mal, die perfekte Mischung für den Baustoff, der mit Kalk und Bimsstein gemacht wird, herauszufinden. Das tüftelten sie in Fabriken aus, die auf Feldern entstanden, auf die es beim Vulkanausbruch besonders viel Lava geregnet hatte und in denen es deshalb viel Bims gab. Schon 1875 waren über 1000 Leute aus dem Kreis damit beschäftigt, in großen Pfannen Kalk mit Wasser zu mischen und kräftig durchzurühren. Dann mischten sie diese weiße Kalkmilch mit dem grau-beigen Bims und füllten die zähe Masse in eiserne Formen. Mit einer großen Kelle wurde das Ganze festgeklopft und dann getrocknet. Ziemlich harte Arbeit war das. Die fertigen Steine wurden Schwemmstein genannt (weil der Bimsstein in der Kalkmilch geschwommen ist) und konnten prima zum Hausbau verwendet werden. Weil es hier so viel Bimsstein gab, entwickelten sich die Fabriken auch besonders gut: Viele Leute fanden Arbeit. Erst um das Jahr 1930 wurden die riesigen Bagger erfunden, mit denen man den Stein heute noch abbaut.

Mit der Zeit entdeckten die Forscher mehr Einsatzmöglichkeiten für den Neuwieder Bimsstein: Hättet ihr zum Beispiel gewusst, dass ihr Bims regelmäßig in den Mund nehmt? In kleinste Körnchen zerrieben ist er nämlich in Zahncreme enthalten und scheuert euch schön sanft die Beißerchen sauber.

RZ Linz, Neuwied vom Donnerstag, 20. Dezember 2012, Seite 21