Unser Südseedorf soll schöner werden (Spielerezension)

Schwer zu lernen, aber dann macht „Hawaii“ eine Menge Spaß. Foto: Elgaß Spieletipp Inselparadies? Von wegen: Auf Hawaii herrscht Wettbewerb

Da stehen sie am weißen Sandstrand, die bis zu fünf frischgebackenen Stammeshäuptlinge, und blicken auf ihr neues Inselparadies. Doch halt: Wer jetzt erwartet, dass das Spiel „Hawaii“ aus dem Hause „Hans im Glück“ wie ein tropischer Bach sanft dahinplätschert, der hat sich schwer geschnitten: Das Rennen um das beste Dorf entwickelt sich zum knallharten Optimierungskampf.

Für Taktierer und Strategen ist das Spiel ein echter Volltreffer.

Es gilt, den eigenen Inselstamm möglichst nachhaltig aufzubauen. Wer am Ende die meisten Punkte abräumt, gewinnt. Doch was sich so einfach anhört, ist es nicht: Wer vor vielen Handlungsmöglichkeiten und hartem Denksport zurückschreckt, sollte lieber „Kniffel“ spielen. Fans von Spielen wie „Siedler“ oder „Targi“ allerdings werden auch „Hawaii“ lieben.

Aber erst nach einer Weile. Denn die Regeln des Brettspiels und die Bedeutungen der vielen Karten, Chips und Plättchen wollen zuerst verinnerlicht werden – und das dauert ein paar Runden. Dabei hilft wenig, dass das Spiel aus dem Jahr 2011 mit einer ausführlichen Anleitung, einer vierseitigen Ergänzung zur Anleitung und einem Korrekturblatt zur Anleitung kommt. Auch der Spielaufbau ist hinreichend kompliziert: Auf dem Spielfeld müssen vor Beginn mehr als 20 verschiedene Sorten Plättchen mit Häusern, Surfern, Hula-Frauen, Göttern, Früchten, Langhütten und Booten, mit denen die Spieler im Laufe der Runden ihren Eingeborenenstämme erweitern können, ausgelegt werden.

Das Spielbrett fungiert als Kaufladen, durch den die Häuptlinge während ihrer Züge hasten, um die besten Ausbauten für ihre Dörfer zu ergattern. Aus einem Vorrat an kleinen Füßchen werden die Wege durch den Inselladen bezahlt, mit Muscheln oder Früchten die Ausbauten. Dabei müssen die Häuptlinge darauf achten, dass ihnen nicht die Mittel ausgehen – sie erhalten zwar vor jeder neuen Runde neue Füßchen und Muscheln, doch die werden immer weniger.

Weil gleichzeitig die Anforderungen steigen, die es in jeder Runde zu erfüllen gilt, müssen sich die Stammesoberhäupter etwas einfallen lassen: Bauen sie zuerst Hütten in ihr Dorf, die ihnen Muscheln oder Füße einbringen, engagieren sie Hula-Mädchen oder braun gebrannte Surfer, die die Anforderungen zum Erreichen des jeweiligen Rundenziels senken oder für Punkte sorgen – oder setzen sie doch lieber auf Fruchtplantagen, um mit dem Ertrag eine Runde später weitere Ausbauten bezahlen zu können? Sinnvoll kann auch sein, dem Stamm den ein oder anderen Inselgott zu präsentieren.

„Hawaii“ ist für Kinder ab 10 Jahren geeignet, aber anspruchsvoll. Spieleanfänger werden vielleicht abgeschreckt, doch wer sich die Mühe macht, die Grundregeln von „Hawaii“ zu lernen, der erkennt schnell, mit welchen Strategien sich das gesunde Wachstum des Stammes vorantreiben lässt.

Rhein-Zeitung vom Samstag, 16. März 2013, Seite 24