Mädchen machen sich die Welt, wie sie ihnen gefällt

Janna Hajji und ihren Mädels vom Mädchentreff im Regenbogenhaus wurde es ganz und gar nicht zu bunt. Foto: Elgaß Angebot Studentinnen der FH Koblenz haben im Regenbogenhaus eigenes Projekt auf die Beine gestellt – Zukunft ab Ende Januar ungesichert

Neuwied. Gesittet geht es zu in der Runde aus sieben Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren im Regenbogenhaus Neuwied.

Durch die geschlossene Türe des Werkraums hört man die Jungs, die unten lautstark ein Kicker-Turnier austragen – in der ruhigen Atmosphäre im Werkraum im ersten Stock dagegen blicken die Mädchen nur kurz auf und schütteln missbilligend über den Lärm den Kopf.

Vor ihnen stehen Wasserfarbkästen, Becher mit Wasser und Tiegel mit Glitzerpulver oder pinkfarbenem Sand. Alle tauchen ihre Pinsel abwechselnd ins Wasser, rühren eine Farbe an und tragen sie auf die kleinen Salzteig-Plätzchen, die sie schon beim Treffen vorige Woche gebacken haben, auf. Die sind nämlich jetzt trocken und können bemalt werden.

„Du musst mehr Wasser an den Pinsel machen“, sagt die 24-jährige Janna Hajji gerade und geht neben der sechsjährigen Damla in die Knie. Die Studentin der Fachhochschule Koblenz, die den Mädchentreff zusammen mit ihrer Kommilitonin Rita Funk ins Leben gerufen hat und seit April leitet, tunkt mit Damla zusammen den Pinsel ins Wasser. „Ja, stimmt ja, geht besser“, sagt Damla gespielt genervt und färbt ihren Salzgebäckstern grasgrün.

Der Mädchentreff im Regenbogenhaus entstand aus einer Idee für die Projektwerkstatt, die alle Studentinnen der Sozialen Arbeit im dritten Semester an der Fachhochschule Koblenz absolvieren. Normalerweise suchen sich die Studenten der Koblenzer FH dazu regelmäßig Institutionen in ihrer Stadt aus. Weil Rita Funk aber aus Neuwied stammt, schauten sich die Studentinnen den Betrieb im Regenbogenhaus eine Zeit lang an. „Wir haben bemerkt, dass es Bedarf für einen Mädchentreff gibt. Wir beobachteten, dass Stress oft aus Reibereien zwischen Jungs und Mädchen entstand“, erzählt Hajji. „So haben wir das Konzept für einen Mädchentreff erarbeitet, in dem man auch mal Mädchensachen machen kann und in dem die Mädchen sich austauschen können, ohne dass Brüder oder Cousins zuhören.“

Was die Mädchen in ihrem Treff machen, bestimmen sie selbst mit. „Wir kneten, backen Plätzchen und Kuchen, malen ...“, zählen Selcan (11) und Joline (10) auf. Die Gruppe hat auch schon gemeinsam im Stadion Sport getrieben, gestaltete einen Tag der Kulturen oder tauschte ihre Schönheitsgeheimnisse aus.

Zehn Mädchen besuchen den Treff seit April regelmäßig. Fast alle haben einen Migrationshintergrund – und so ist den gebastelten Sternen, Herzen und Eigenkreationen ein ganz unterschiedliches Schicksal bestimmt. „Wir haben einen Christbaum und feiern Weihnachten“, sagt die elfjährige Selcan. Bei der zehnjährigen Joline dagegen findet der Schmuck mangels Christbaum eine andere Bestimmung: „Ich werde damit meine Zimmerpflanze schmücken“, verkündet sie.

Bis Ende Januar betreuen die Koblenzer Studentinnen den Mädchentreff noch, danach ist unklar, ob er weitergeführt wird. „Vielleicht betreuen jüngere Studenten das Projekt im Rahmen ihrer eigenen Projektwerkstatt weiter“, hofft Hajji. „Das passiert schon mal. Aber sicher ist gar nichts.“

RZ Linz, Neuwied vom Dienstag, 4. Dezember 2012, Seite 16