Nachts im Zoo bei Löwe und Co.

„Aaah, das fühlt sich lustig an!“ Ein Kind nach dem anderen durfte im Exotarium des Zoos Neuwied mit einigen der Zoobewohner auf Tuchfühlung gehen. Hier macht ein Wandelndes Blatt, eine Heuschreckenart, die Runde. Foto: Sandra Elgaß Erlebnis Die RZ lud zehn kleine Gewinner und ihre Eltern zur Abendführung in den Neuwieder Zoo

Neuwied. Die zehn Kinder und ihre Eltern stehen unter Regenschirmen dicht gedrängt vor der kleinen Mauer eines leeren Geheges im Neuwieder Zoo und blicken zusammen mit Tierparkführerin Franziska Günther angestrengt durch die Dunkelheit auf den etwa drei Meter entfernten Eingang zum Quartier der Stachelschweine.

Keine Minute dauert es, bis sich das erste braune Näschen, von den abendlichen Geräuschen draußen angelockt, vorsichtig schnuppernd am Eingang zeigt. „Da!“, rufen plötzlich alle durcheinander.

Trotz des regnerischen Wetters sind eine Viertelstunde zuvor alle zehn kleinen RZ-Gewinner samt Begleitpersonen pünktlich in den Neuwieder Zoo zur Abendführung gekommen, die die RZ im Rahmen der Kinderwochen verlost hat. Mit Taschenlampen und Gummistiefeln sind sie nun bestens ausgerüstet für das nächtliche Zooerlebnis – besser als RZ-Redakteur Marcelo Peerenboom, dem der achtjährige Philipp in der Dunkelheit hilfsbereit die Teilnehmerliste beleuchtet.

Als Philipp wenig später damit ins Stachelschweingehege leuchtet, läuft plötzlich eines der Tiere schnurstracks auf ihn und die anderen Kinder zu. An der Mauer angekommen, stellt es sich auf die Hinterbeine, legt die Vorderbeine auf der Mauer ab und begrüßt die kleinen Besucher noch einmal ganz persönlich mit einem neugierigen Schnuppern.

Bevor die Führung weitergeht, wollen die Stachelschweine noch gefüttert werden: „Die essen ja das gleiche wie wir“, staunen die Kinder, als Franziska Günther den Kindern Futter – Möhren, Paprika, Blumenkohl, Kartoffeln und Äpfel – aus einer Box vor dem Gehege reicht. Und sie bescheren den stacheligen Tieren einen wahren Gemüse- und Früchteregen. Dabei bringen die kleinen Besucher durchaus Verständnis dafür auf, dass die Tiere sich zuerst über die Äpfel hermachen. „Die mögen wir auch am liebsten“, so das Fazit der menschlichen Schleckermäuler. „Wenn wir nachher wieder vorbeikommen, ist alles weg“, verspricht Franziska Günther und fragt dann: „Wer will jetzt zu unseren Löwen?“

Beeindruckt steht die Gruppe wenig später in einem engen Gang nur knapp einen Meter vor dem Nachtgehege von Berberlöwe Schröder und Löwin Mali, die die nächtliche Ruhestörung aber sehr gelassen nehmen. Die ehrfurchtsvolle Stille unterbricht Franziska Günther mit der Frage, warum nur Löwenmännchen eine Mähne haben. „Bei uns Menschen haben ja auch nur Männer den Bart“, lautet die logische Antwort der Kinder. „Richtig, und was machen zwei Löwen, die sich in der Wildnis treffen?“, fragt Günther weiter. „Die verlieben sich“, ruft der achtjährige Noah in die Runde. „Und wenn es zwei Männchen sind?“, lacht Günther. „Dann kämpfen die“, lautet die Antwort der Kinder. „Genau. Und die Mähne schützt sie dann vor Verletzungen durch die Prankenhiebe“, erklärt die Expertin.

Wenig später, im Exotarium, beweisen die Kinder erneut erstaunliche Tierkompetenz. Jedes der Tiere, die Franziska Günther aus ihren Käfigen holt, können sie sofort benennen, von der Stabheuschrecke über das Wandelnde Blatt, eine Heuschreckenart, bis hin zur Python. Einige der Eltern zucken auf den erstaunten Blick von Günther hin nur mit den Schultern: „Zoo-Dauerkarte“, erklären sie das Fachwissen der Kleinen. Zur Freude der meisten dürfen die Tiere diesmal sogar angefasst werden. Auch die kleinste Besucherin, die zweijährige Isabelle, nimmt mutig alle Krabbler auf die Hand. Nur eine Spinne hätte sie nicht angefasst. „Denn Spinnen, die machen so eklige Sachen!“

„Eine tolle Führung“, findet Philipp auf dem Weg zurück zum Zootor. Am Stachelschweingehege leuchtet der Achtjährige noch einmal kurz hinein – und tatsächlich: Das Gemüse haben die Tiere bereits fast vertilgt – nur etwas Blumenkohl liegt noch vor dem Bau.

RZ Linz, Neuwied vom Dienstag, 6. November 2012, Seite 17