Weltgrößter Bembel ist aus dem Westerwald

Der Riesenbembel ist Dank einer Schwenkvorrichtung aus Metall auch zu benutzen. Das ist eine Grundvoraussetzung, um ins Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen zu werden. Foto: Sandra Elgaß Der Riesenbembel ist Dank einer Schwenkvorrichtung aus Metall auch zu benutzen. Das ist eine Grundvoraussetzung, um ins Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen zu werden. Foto: Sandra Elgaß Keramik Auf dem Riesengefäß aus Höhr-Grenzhausen liegen große Hoffnungen – Reif fürs Guinnessbuch der Rekorde

Höhr-Grenzhausen. Man nehme 500 Kilogramm Tonmasse und lasse einen versierten Keramikkünstler zwei Wochen werkeln. Dann backe man das Ganze nach drei Wochen Trockenzeit mit sieben Kilogramm Kochsalz zweieinhalb Tage bei höchstens 1260 Grad Celsius in einem recht großen Brennofen und lasse ihn dann 14 Tage auskühlen.

Zwischendurch gab eine Künstlerin dem Ganzen die typische Bemalung, und fertig war er: der weltgrößte Äppelwoi-Bembel der Welt. Mit diesem Super-Bembel, der in Höhr-Grenzhausen offiziell enthüllt wurde, verbinden sowohl die hessischen Äppelwoi-Wirte als auch die Westerwälder Kannenbäcker große Hoffnungen: Die Hessen hoffen, die Vermarktung ihres Nationalgetränks anzukurbeln, und die Westerwälder, die Aufmerksamkeit für Westerwälder Qualitätskeramik zu steigern.


Feierliche Enthüllung. Foto: Sandra Elgaß

Dabei gehört die typische grau-weiße Steingutkanne mit den blauen Verzierungen aus dem Westerwald in Hessen zum Äppelwoi wie der Affe zur Banane und der Deckel zum Topf. Dem Gast werden sie allerdings meist in den Größen von ein bis höchstens sieben Liter Fassungsvermögen vorgesetzt. Das in Höhr-Grenzhausen enthüllte Exemplar ist 300 Kilogramm schwer, 1,69 Meter hoch, hat einen Umfang von 3,26 Meter und fasst 690 Liter des hessischen Traditionsgetränks – das ist rekordverdächtig. Den Verdacht möchten Apfelweinliebhaber und Initiator des Projekts „Big Bembel“ Donato Romanazzi und die Mitglieder des Vereins Apfelwein Centrum Hessen (ACH) mit einem Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde bestätigen.


Formales Kriterium für die Aufnahme ins Buch der Superlative: Der Riesenbembel muss benutzbar sein, weshalb der offiziellen Enthüllung noch eine Äppelwoi-Taufe mit anschließender Verkostung folgte, eingeleitet mit einem Schlachtruf auf Hessisch: „Hobb, hobb, hobb, Schobbe in de Kopp!“ Das waren Formalitäten, die zur Abwechslung sichtlich erfreuten.


Mit dem Höhr-Grenzhausener Keramikkünstler Andreas Hinder fand Romanazzi einen Mann mit der nötigen handwerklichen Erfahrung im Kannenbäckerland. In der Werkstatt des Instituts für Künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz (IKKG) in Höhr-Grenzhausen standen zudem eine Werkstatt und ein Brennofen bereit, groß genug, um die Mammutaufgabe zu stemmen.


„Dank einer Spende der Frankfurter Volksbank konnte die Arbeit in Höhr-Grenzhausen nach einer längeren Planungszeit Anfang August endlich losgehen“, sagt Initiator Romanazzi. „Ach – doch so groß! Das war mein erster Gedanke, als Donato Romanazzi mir seine Idee am Telefon vorstellte. In der Größenordnung kann man ja nicht einfach einen Riesenklumpen Ton auf eine Töpferscheibe packen und die Kannenwände dann hochziehen“, antwortet Hinder auf eine Nachfrage aus dem Publikum nach der offiziellen Enthüllung des „Big Bembels“.

Den Interessierten, die in einem von der Vereinigung der Apfelweinwirte organisierten Bus aus Hessen angereist waren, musste Hinder es genau erklären: „Schicht für Schicht wurden vorgefertigte Tonstreifen aufeinandergesetzt und immer wieder zwischendurch getrocknet.“ Natürlich war auch die Töpferplatte eine Spezialanfertigung.

Nachdem Hinder den Bembel geformt hatte, bemalte ihn Künstlerin und Bembel-Malerin Monika Meurer aus Sachsenhausen: „Mit einem Pinsel, der an seiner dicksten Stelle 20 Zentimeter Durchmesser hat.“
Im Frühjahr, pünktlich zum Beginn der kommenden Äppelwoi-Saison, soll der Bembel samt seinem überdimensionalen „Faulenzer“ – einer von der Metallinnung Main-Taunus gestifteten, maßgefertigten schmiedeeisernen Schwenkvorrichtung – nach Frankfurt überführt werden. Wie, ist noch nicht ganz klar.

„Schön wäre es, wenn er öffentlichkeitswirksam mit der Brexbachtalbahn reisen könnte“, überlegt Markus Ströher vom Kannenbäckerland-Touristik-Service. Dem ist auch Romanazzi nicht abgeneigt. „Wir wollen außerdem noch ein paar Charity-Aktionen mit dem Bembel starten, bevor er in dem Apfelwein-Museum, das es hoffentlich bald in Frankfurt geben wird, endgültig ankommt.“
 
Westerwälder Zeitung vom Montag, 22. Oktober 2012, Seite 12