Als Erste das Audit mit Bravour bestanden

Zertifizierung Kita Liebfrauen setzt auf Partizipation


Neuwied. Jeder weiß: Wer sich in der Schule für eine Abfrage freiwillig meldet und dann auch noch die Bestnote einstreicht, den kann man ganz ohne bösen Unterton einen kleinen Streber nennen. Legt man diesen Maßstab an, ist die katholische Kindertagesstätte Liebfrauen in Neuwied einer.

Denn genauso ist es passiert: Die Mitarbeiter um Leiterin Brigitte Quagliano befassten sich viereinhalb Jahre lang damit, ihre Leitlinien anhand der Vorgaben des katholischen Bistums Trier auszuarbeiten und umzusetzen. Dann meldeten sie sich als erste Kita im Dekanat Neuwied Mitte 2012 freiwillig zur Prüfung an. Am 6. März rückte schließlich eine Mitarbeiterin der Caritas an, beauftragt vom Bistum und zuständig für Qualitätssicherung, und unterzog die Kita einen ganzen Tag lang einem Audit – inklusive kleiner Abfragerunden mit den Mitarbeitern. Das Ergebnis ist jetzt da: Mit Bravour bestanden. Setzen.

„Besonders stolz sind wir darauf, dass der Auditorin aufgefallen ist, dass wir viel Wert auf Partizipation legen“, freut sich Leiterin Quagliano. Was das heißt, erschließt sich Besuchern schon im Flur der Kita: An den Wänden reiht sich ein buntes Plakat ans nächste. Sie zeigen die kleinen Kita-Besucher bei verschiedenen Experimenten und Aktionen. Da wird nicht nur mit Strohhalm, Seife und Wasser der Schaum geblubbert oder schmutziges Wasser durch eine Schicht Kieselsteine gegossen, um es zu säubern. Auf einem Plakat steht auch in großer Schrift „Kinderparlament“. Darunter lachen dem Betrachter neun stolze kleine Parlamentarier entgegen. Immer wieder saust eines der Kinder vorbei. Blickt man ihnen vor den Kinderkonferenzen nach, sieht man bei einigen die laminierten Plastikkarten, die sie um den Hals tragen, hinterherflattern. Darauf steht neben ihrem Namen und Foto der Zusatz „Mitglied des Kinderparlaments“. „Die Kinder wählen regelmäßig Vertreter. Dazu stellen wir kleine Kistchen mit dem Bild der Kandidaten auf. Abgestimmt wird mit bunten Chips“, erläutert Quagliano und erklärt weiter die Pflichten der Delegierten: Einmal alle drei Monate kommen sie zur Kinderkonferenz im Personalraum zusammen. „Der hat große Stühle, das zeigt den Kindern, dass ihr Job wichtig ist“, schmunzelt sie.

Dann geht es ans Eingemachte: Welche Spielzeuge sollen aus dem Bestand der Kita für die nächsten drei Monate in den Spielräumen zur Verfügung stehen? Eine Erzieherin leitet die Konferenz und schickt die Vertreter mit einem Spielzeug-Archiv-Fotobuch in ihre Gruppen, um Meinungen einzuholen. Bei der vorigen Konferenz im Januar tippten die Parlamentarier danach mit dem Finger auf Dino-Figuren, Bauklötze, Waldtierfiguren und Magnete. In Sachen Frühstück entschieden sie sich zuletzt für Sandwiches und Obst. Wenn da nicht kleine Vorzeigedemokraten heranwachsen. Oder vielleicht auch kleine Forscher – denn seit 2012 ist die Kita Liebfrauen für ihre kindgerechten Experimente zudem von der Volkshochschule der VG Weißenthurm als „kleiner Forscher“ zertifiziert – echte kleine Streber eben.

RZ Linz, Neuwied vom Freitag, 15. März 2013, Seite 16