Längst läuft die Jagd auf Merkels Doktortitel

Plagiatsaffäre Netz nimmt Kanzlerin ins Visier – Bildungsministerin Schavan will gegen Uni Düsseldorf klagen

Berlin/Rheinland-Pfalz. Während die Plagiatsaffäre um Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hohe Wellen schlägt, haben sich die Plagiatsjäger längst an die Fersen des nächsten prominenten Politikers geheftet: Es ist niemand Geringeres als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Wie Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, ist die Voruntersuchung bereits abgeschlossen.

Heidingsfelder, der die Aufdeckung von Plagiaten in wissenschaftlichen Arbeiten inzwischen zum Beruf gemacht hat und „davon gut leben kann“, ist Mitbegründer des Internetportals Vroniplag Wiki, einer Plattform, auf der Plagiatsjäger kollektiv Arbeiten untersuchen und Fehler veröffentlichen. Prominentestes Opfer solcher Plattformen war Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Seit etwa einem Jahr nimmt Heidingsfelder über ein eigenes Internetportal Aufträge zur Plagiatsprüfung entgegen.

Angaben über das Ergebnis der ersten Sichtung bei der Doktorarbeit der Kanzlerin macht Heidingsfelder indes nicht: „Falls wir in der Arbeit von Dr. Angela Merkel etwas finden, informieren wir unseren Auftraggeber“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Es klingt fast nach Kopfgeldjagd: „Im Fall von Dr. Angela Merkel bezahlt ein einzelner Kunde eine hohe Summe und hat darüber hinaus für denjenigen, der ein Plagiat entdeckt, eine Prämie in Aussicht gestellt“, sagt Heidingsfelder. Auftraggeber sei keine Partei. Seit etwa einem Jahr soll die Prüfung im Gang sein. Auch für die Prüfung der Doktorarbeit von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) seien bereits vierstellige Beträge geflossen. Hier sei die Voruntersuchung ebenfalls abgeschlossen.

Unterdessen hat Bildungsministerin Schavan einen Rücktritt ausgeschlossen. „Die Entscheidung der Universität Düsseldorf werde ich nicht akzeptieren und dagegen klagen“, sagte sie. Auch Bundeskanzlerin Merkel sprach ihr „volles Vertrauen“ aus. Während Oppositionspolitiker den Rücktritt Schavans fordern, erhält die Ministerin Rückendeckung aus der Wissenschaft – auch von rheinland-pfälzischen Hochschulen. „Der Fall Schavan ist eindeutig ein Grenzfall, der nicht mit dem Entzug des Doktortitels hätte sanktioniert werden dürfen“, sagt etwa der Präsident der Universität Koblenz-Landau, Prof. Roman Heiligenthal.

Rhein-Zeitung vom Donnerstag, 7. Februar 2013, Seite 1