Hilfe, die Plagiatsjäger kommen!

Diskussion Was passiert, wenn das Schnüffeln in Doktorarbeiten zum Beruf wird

Berlin/Nürnberg. Er ist der bekannteste Plagiatsjäger Deutschlands und einer der wenigen, die für die Suche nach Plagiaten in wissenschaftlichen Arbeiten Geld verlangen: Martin Heidingsfelder aus Nürnberg.

Für 50 Euro bestellt er jede beliebige Arbeit und scannt sie ein, für weitere 100 Euro lässt er eine Texterkennung über die Scans laufen. Eine erste Analyse kostet 300 Euro, jeder weitere Arbeitstag eines Plagiatssuchers 500 Euro. Für fachlich anspruchsvolle Arbeiten unterhält er ein Netzwerk an Experten, teilweise Professoren. „Seit einem Jahr kann ich von den Aufträgen gut leben“, sagt Heidingsfelder.

Der Nürnberger gilt als Gründer von Vroniplag Wiki, einem Portal, auf dem sich seit März 2011 jeder anonym als Plagiatsjäger betätigen kann. „Angefangen hat für mich alles nach einem Zufallsfund in der Arbeit von Guttenberg“, erinnert er sich. „Und danach wurde das Suchen von Plagiaten für mich so etwas wie ein gesellschaftlicher Auftrag.“

Dass Heidingsfelder jetzt Geld für seine Arbeit verlangt, sorgt im Internet derzeit für Diskussionen über gewerbliche Plagiatsjäger. Wissenschaftler und Blogger Michael Schmalenstroer etwa befürchtet, Heidingsfelder habe allen redlichen Plagiatssuchern damit einen Bärendienst erwiesen: „Plagiatsprüfung gegen Geld, damit kann man ganz sicherlich nicht den Vorwurf entkräften, dass es den Plagiatsjägern nicht um die Wissenschaft geht, sondern um politische Blutgrätschen“, schreibt er auf seinem Blog. „Wer Plagiatsprüfung als Mittel des Rufmordes in die politische Praxis einbringt, zerstört ihren eigentlichen Zweck: die wissenschaftliche Redlichkeit.“

Die Motivation seiner Auftraggeber blieben meist im Dunkeln, sagt Heidingsfelder. „Ich persönlich frage nicht nach.“ Ein weiterer Blogger kommentiert: „Relevant dafür, ob Plagiate vorliegen oder nicht, ist nicht die Frage nach Heidingsfelders Motiven.“

Wie sich diese Entwicklung in Zukunft auf die Politik auswirkt, kann selbst Heidingsfelder nicht sagen. „Ich gehe aber davon aus, dass sich mit der heranrückenden Bundestagswahl noch mehr Aufträge bei mir einfinden.“ Derweil befeuert er dies mit einer Liste sämtlicher Bundestagswahlkandidaten auf seinem Portal, deren Arbeiten er überprüfen will.

Dafür wirbt er um Geld. Er schreibt dort zur Begründung: „Politiker sollten Vorbilder sein, insbesondere, was Ehrlichkeit anbelangt.“ Zu seinen Kunden zählten aber auch beispielsweise „Lieschen Müller, die gehörnte Ehefrau oder das Opfer eines Arztfehlers“, sagt er. Und Plagiatsprüfung, das gibt er zu, gehöre eigentlich an die Universitäten. Man habe ihn auch schon aufgefordert, sich initiativ als Plagiatssucher dort zu bewerben.

Rhein-Zeitung vom Donnerstag, 7. Februar 2013, Seite 8