Polizei patzt auf Facebook

Auf einer Seite auf Facebook sahen die User Bilder von Kindern in eindeutigen Posen, in Unterwäsche oder Reizwäsche. Panne Hinweis auf vermeintliche Kinderporno-Seite massenhaft verbreitet

Koblenz/Hannover. Der Polizei Hannover ist bei ihren Ermittlungen zu Kinderpornografie im Internet eine Panne unterlaufen. Die Beamten veröffentlichten am Sonntag den Namen einer Facebook-Seite, auf der sich anrüchiges Material befand. Etliche Facebook-Nutzer verbreiteten den Namen im Netz weiter – und machten die Seite so bekannt.

Dabei meinten die Beamten es gut und wollten darauf hinweisen, dass es unnötig sei, weitere Anzeigen zu erstatten, weil die Ermittlungen bereits angelaufen seien. Sie nannten den Namen der Seite – die jeder Nutzer so über die Facebook-Suchfunktion finden konnte. Offenbar erst nach Hinweisen in den Kommentaren auf ihrer Facebook-Seite änderte die Polizei den Text des Beitrags und nahm zumindest die klare Bezeichnung der Schmuddelseite aus dem Beitrag. Einmal veröffentlicht, ließ sich die Weiterverbreitung des Seitennamens aber kaum mehr stoppen: Die Polizei löschte nun im Minutentakt Kommentare von Nutzern, die wiederum den Seitennamen preisgaben.

Es dauerte Stunden, bis die Beiträge samt Kommentaren schließlich komplett versteckt wurden. Auch die eigentliche Facebook-Seite wurde zwischenzeitlich vom Netz genommen. Auf Anfrage der Rhein-Zeitung äußerte sich Facebook nicht zu den Umständen der Löschung. Auf die Panne angesprochen, sagte ein Mitarbeiter der Polizei: „Wie man es macht, macht man es falsch.“

Die Polizei Hannover hat bei Facebook besondere Erfahrungen, weil sie als erste bundesweit das Netzwerk für die Suche nach Vermissten einsetzten. Vielfach aus Sympathie für dieses Projekt hat die Polizei bei Facebook mehr als 100 000 „Freunde“ gewonnen. Im Januar wurde das Projekt unter anderem aus Datenschutzgründen kurz unterbrochen.

Verbreitung und Besitz kinderpornografischer Inhalte sind strafbar. „Wer aktiv nach Kinderpornografie sucht, macht sich wegen versuchter Besitzverschaffung von kinderpornografischen Schriften strafbar, auch wenn die Suche in der Absicht erfolgt, die Strafverfolgungsbehörden bei ihrer Arbeit zu unterstützen“, informiert unter anderem die Polizei Bayern. Es drohen Strafen von zwei Monaten bis zehn Jahren. Inzwischen sind die Ermittlungen im konkreten Fall eingestellt. Die Bilder seien zwar verwerflich, teilte die Polizei Hannover unserer Zeitung auf Nachfrage mit, aber strafrechtlich nicht relevant. Man bewege sich in einer Grauzone.

Der Vorfall ausführlich im Blog: www.ku-rz.de/21mx

Rhein-Zeitung vom Mittwoch, 25. Juli 2012, Seite 27