So bieten Sie Facebook die Stirn

Immer ein Auge auf die Daten haben: Denn Facebook ändert sie schon mal klammheimlich. Montage: Svenja Wolf Durchblick Soziales Netzwerk änderte bei Millionen Nutzern ungefragt persönliche Daten – Wie Sie den Schaden begrenzen

Es passierte heimlich und hinter dem Rücken von fast 22,1 Millionen bei Facebook angemeldeten, deutschen Nutzern und fast 840,5 Millionen Mitgliedern weltweit – und viele haben es sogar vielleicht bis heute nicht bemerkt.

Einerseits tauschte das soziale Netzwerk ihre E-Mail-Adresse heimlich gegen eine Adresse aus, die sich aus dem Nutzernamen und „@facebook. com“ zusammensetzt. Andererseits wirkte sich das Update bei manch einem sogar auf dem mobilen Gerät aus: Dort wurden offenbar auch in den Adressbüchern E-Mail-Adressen von Facebook-Freunden durch die neue @facebook-Adresse ausgetauscht hat – die vorher gespeicherten E-Mail-Adressen gingen Betroffenen zufolge dabei verloren. Die @facebook-E-Mail-Adresse lässt sich zwar im eigenen Profil ausblenden, jedoch nicht löschen. Der Eingriff in die Kontaktlisten auf Smartphones und Co. soll laut Unternehmen nur ein bedauerlicher Unfall gewesen sein. Rückgängig machen lässt sich das aber nicht.

Unternehmen: Austausch unter den Mitgliedern soll gestärkt werden

Die Motivation für das Update ist klar: Ziel des sozialen Netzwerks ist – neben der Gewinnung von persönlichen Daten der Mitglieder, die sich teuer verkaufen lassen – ein möglichst intensiver Austausch zwischen den Facebook-Nutzern. Da liegt ein eigener E-Mail-Dienst nahe. Ob die Mitglieder von Facebook diese E-Mail wollen, das fragte das Unternehmen sie vorher aber nicht.

Ans Licht brachte diese Manipulation Adobe-Mitarbeiterin Rachel Luxemburg. Auf ihrem Blog beschreibt sie, wie ein Kollege herausfand, dass Luxemburgs E-Mail-Adresse in seinen Kontakten durch die Facebook-Adresse ersetzt wurde. Dieser wollte ihr eine berufliche E-Mail-Adresse senden, die nie ankam. In verschiedenen Foren berichten zahlreiche weitere Menschen über dieses Phänomen.

Ob Sie auch betroffen sind, erfahren Sie, indem Sie die Kontakte in Ihrem Handy auswählen, mit denen Sie auch über Facebook verbunden sind, und prüfen, ob die E-Mail-Adresse noch stimmt. Ein Grund dafür, warum einige Facebook-Mitglieder betroffen sind und andere nicht, ist derzeit noch nicht gefunden. In einem offiziellen Statement, das er auf seiner eigenen Facebook-Seite verlinkte, versuchte Andrew Bosworth, Director of Engineering bei Facebook, am Tag nach dem Bekanntwerden des Malheurs, die Wogen zu glätten: Ein Bug, also ein Fehler in der Software, sei schuld, sagte er Mitarbeitern der Seite theverge.com. Man werde sich dessen sofort annehmen. Für die betroffenen Nutzer ist es aber bereits zu spät: Sie müssen alle E-Mail-Adressen neu besorgen und speichern.

Wer zukünftig den Zugriff von Facebook auf die Kontaktliste in seinem mobilen Gerät verhindern möchte, stellt am besten die Synchronisation mit Facebook ab. Auf Android-Smartphones wechseln Sie dazu in die „Kontakte“ und öffnen die Optionen. Hier können Sie sehen, mit welchen Diensten Ihr Handy synchronisiert ist. Stellen Sie die Synchronisierung mit ihrem Facebook-Konto auf „Aus“. Sollten Sie vor Kurzem das neueste Systemupdate von Android installiert haben, tippen Sie auf „Kontakte“, dann oben auf „Telefonbuch“. Das sich öffnende Fester zeigt wiederum die mit ihrem Telefon verknüpften Internetdienste an. Stellen Sie sicher, dass hinter ihrem Facebook-Konto kein Häkchen steht. Wenn Sie ein iOS-Gerät (zum Beispiel ein iPhone) nutzen, tippen Sie auf „Einstellungen“, „Datenschutz“, „Kontakte“ und deaktivieren Sie die Synchronisation mit Facebook über den Schieberegler.

Wie man die neue E-Mail-Adresse in der Chronik versteckt

Zwar wird man die neu zugeteilte @facebook-E-Mail-Adresse nicht mehr los, aber sie lässt sich verbergen: Wer in seinem Facebook-Profil lieber keine oder seine alte E-Mail -Adresse anzeigen lassen möchte, klickt auf seinem Profil (der Chronik) auf „Info“, scrollt zum Kasten „Kontaktinformationen“ und klickt auf den nebenstehenden Button „Bearbeiten“. Im Feld „E-Mails“ stehen alle E-Mail-Adressen, die Sie je bei Facebook angegeben haben, plus Ihre neue @facebook-Adresse. Diese wurde von Facebook mit der höchsten Priorität und Sichtbarkeit angelegt – und zumindest das lässt sich ändern: Hinter den jeweiligen Adressen können Sie mit Klick auf das Personensymbol bestimmen, ob die E-Mail für alle sichtbar sein soll, nur für einen von Ihnen bestimmbaren Personenkreis oder nur für Sie.

Stellen Sie diese Einstellung bei der @facebook-Adresse auf „Nur ich“. Im nächsten Schritt klicken Sie auf das Symbol rechts daneben (durchgestrichener Kreis). Hier können Sie bestimmen, ob ihre E-Mail-Adresse in Ihrer Chronik angezeigt oder verborgen werden soll. Stellen Sie diese Einstellung auf „In Chronik verbergen“. Leider lässt sich die @facebook-E-Mail-Adresse nur entfernen, indem das ganze Profil endgültig gelöscht wird.

Tipp: Besser mit zwei Browsern surfen

Wer nicht will, dass Facebook oder Google über Facebook- oder Google+-Buttons auf vielen Seiten herausfindet und speichert, welche Seiten er ansteuert, sollte grundsätzlich mit zwei Browsern surfen, rät Christian Krause vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. „Den einen benutzt man nur für soziale Netzwerke, den anderen für alle übrigen Internet-Seiten. Der damit verbundene Komfortverlust ist den Schutz der eigenen Daten aber wert.“

Rhein-Zeitung vom Montag, 16. Juli 2012, Seite 14