Drei Schulen + drei Schulgesetze = Schüler-Austausch garantiert

TeamspielEnde Mai hatte ich wieder das Vergnügen, mit engagierten Schülervertretern für den PAS Bonn ein ganzes Wochenende lang an ihren Projekten zu arbeiten. Dennoch war es kein "normales" Seminar: Es trafen sich die Schülervertreter (SV)-Teams von drei Schulen. Eine war staatlich geführt, der Träger der zweiten war katholisch und der Träger der dritten evangelisch. Für die SVen hieß dies: Für jedes Team gibt es unter Umständen andere Regeln. Stress für mich - gut für die Schüler: Sie konnten um so besser den Sinn und Unsinn der Gesetzesgrundlagen nachvollziehen. Läuft!



Kick-Off-Fragen: Was läuft gut und was läuft schlecht in Schule und SV? - Dann: Was dürfen wir und was sollen wir leisten?


In der Erwartungsabfrage zu Beginn des Seminars (24.5. - 26.5.) standen Austausch unter den Schulen und Klärung rechtlicher Grundlagen ganz oben auf der Liste - deshalb kümmerten wir uns nach der Problemanalyse am Freitag Abend, die jede SV für sich macht, ausführlich um Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei den gesetzlichen Bestimmungen der SV-Arbeit.

In Absprache mit den Schülern verwendeten wir darauf den gesamten Samstag Vormittag - Beschwerden gab's keine, Ermüdungserscheinungen auch nicht. Naja - bei mir vielleicht ein bisschen, immerhin musste auf alle Unterschiede Rücksicht genommen werden.

Programm Ein Beispiel: Während in staatlichen und evangelischen Schulen das Verhältnis von Lehren zu Eltern zu Schülern in der Schulkonferenz 1 : 1 : 1 ist, stehen katholische Schüler dort einer Lehrerübermacht gegenüber: Das Verhältnis ist 2 : 1 : 1.

Eingeschränkte Meinungsfreiheit in Schülerzeitungen an Schulen katholischer Träger sorgte für Diskussionen

Ein anders Beispiel: Die Meinungsfreiheit in Schülerzeitungen an katholischen Schulen ist eingeschränkt (§20 SculG_EBK) - wenn ihr Inhalt der katholischen Ausrichtung widerspricht. Das Schulgesetz des Erzbistums Köln empfiehlt den Chefredakteuren deshalb, jede Ausgabe vorab vom Schulleiter prüfen zu lassen. Diese Erkenntnis sorgte für einigen Wirbel - denn ist Meinungsfreiheit, diskutierten die Schüler, nicht eine wichtige Grundlage unserer Demokratie?

In den Gruppenarbeitsphasen wurde ausführlich ausdiskutiert, was im Schulalltag sonst kaum die nötige Zeit findet.Projektarbeit: Die Methoden kommen von mir - die Inhalte aber von den Schülern

Dann wurden die am Freitag definierten Probleme in konkrete Projekte umgemünzt - die fortan in Gruppenarbeit bis ins kleinste Detail geplant wurden. Diesmal ging es zum Beispiel um die Reform der SV-Strukturen: Dass der Schülerrat für die SV so wichtig ist wie für den Bundestag das Parlament, sollte künftig jedem Schüler klar sein.

Der Klassensprecher: Kein Kreidedienst, sondern "Parlamentarier" im Schülerrat

Ein weiteres Projekt: Wie kommen wir an kompetente Klassensprecher? Dazu plante eine Gruppe, die Wahlen in den unteren Klassenstufen zukünftig als SV durchzuführen - um ihre Wichtigkeit zu betonen, ihren Nachwuchs direkt kennenzulernen und deutlich zu machen, dass die Aufgabe des Klassensprechers eben nicht darin besteht, die Tafel zu putzen oder Kreide zu holen.

Nachwuchsförderung: Idee einer "Mini-SV" wurde verbessert und übernommen

Im Austausch im Plenum war auch ein typisches SV-Problem Thema: Wie wirbst man Nachwuchs an? Schließlich machen alle irgendwann den Abschluss. Eine Schule stellte dabei ihre "Mini-SV" vor - einen Arbeitskreis, der nur aus Unterstüflern besteht und sich regelmäßig trifft. Die Idee gefiel so gut, dass sich das Projektteam einer anderen Schule dazu entschloss, einen ähnlichen AK zu starten. Mit kleineren Projekten und der Möglichkeit, Fragen an die "Älteren" zu stellen, wollen sie zukünftig junge Schüler zu SV-Arbeit motivieren.

Immer wieder trafen sich die Schüler im Plenum, um einander die Fortschritte vorzustellen und Feedback der anderen Schüler einzuholen. Gern dachten alle mit und mit konstruktiver Kritik wurde nicht gespart.

Seminar-Traditionen: Werwölfe, Elche und Ampelmänner gingen um ...

Auch alte Seminar-Traditionen lebten auf: Mit Begeisterung spielten wir "Die Werwölfe von Düsterwald", plauderten in der Kellerbar, spielten "Elch & Ampelmann" und schauten natürlich das Championsleague-Finale im großen Saal des Haus Venusberg via Beamer - danke an das Herbergsteam dafür! Es wurde Abends schön spät - und doch waren wir alle am nächsten Tag arbeitsfähig: So gehört sich das. Am Ende verstanden sich die Schüler so gut, dass sie in einer gemeinsamen Facebook-Gruppe Kontakt halten wollen. Und psst - auch ich wurde eingeladen...